ABC/XYZ-Analyse

Hier erklären wir wichtige Begriffe aus dem Bereich MES und IIoT.
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Forum Produktion
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ABC/XYZ-Analyse

Beitrag von Forum Produktion »

Die ABC/XYZ-Analyse wird in der Produktion vor allem zur Artikelklassifizierung (z.B. von eingekauften Materialien, Teilen und Komponenten) eingesetzt. Entscheidungen für bestimmte Vorgehensweisen, zum Beispiel für die Materialdisposition, die Bestellabwicklung oder die Inventur, werden dann abhängig von der Einordnung in diese Klassifizierung getroffen.


ABC-Analyse

Der erste Teil der Analyse, die ABC-Analyse, klassifiziert Artikel im Hinblick auf Wert und Menge. Ihr liegt das Pareto-Prinzip zugrunde, nachdem für viele wirtschaftliche Phänomene gilt, dass 80% der Wirkungen von 20% der Ursachen erzielt werden. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um eine Daumenregel, die auf Erfahrungen basiert und im Grunde willkürlich ist. Diese muss folglich nicht immer zutreffen aber die Idee dahinter, sich auf die wichtigsten Ursachen zu konzentrieren und nicht alle Ursachen gleichwertig zu behandeln (Trennung von wesentlich und unwesentlich), ist sinnvoll.

Die Analyse erfolgt mit folgenden Einzelschritten:

1. Bestimmung der absoluten Gesamtkosten (Absolute Gesamtkosten = Summe aller Einzeljahresbedarfe in Stück * Stückpreis)
2. Bestimmung des relativen Anteils an den absoluten Gesamtkosten für jeden Artikel
3. Absteigende Sortierung nach relativem Anteil an den absoluten Gesamtkosten
4. Kumulierung des relativen Anteils an den Gesamtkosten
5. Zuordnung der Artikel zu den drei Kategorien (die ca. ersten 80% = A-Teile, die ca. folgenden 15% = B-Teile, die letzten 5% = C-Teile)
6. Bestimmung des relativen Mengenanteils der einzelnen Artikel am mengenmäßigen Gesamtbedarf
7. Summierung des relativen Mengenanteils pro Artikelklasse

Nach Schritt 7 wird ersichtlich, welche Menge (Stückzahl) an Artikeln tatsächlich bei einem Unternehmen für 80% der absoluten Gesamtkosten verantwortlich sind. Wie oben bereits erwähnt müssen dies nicht 20% sein, sondern können zum Beispiel auch nur 10% sein.

Mit den Erkenntnissen aus der ABC-Analyse lassen sich auch ohne der XYZ-Analyse bereits Ansätze zur Verbesserung identifizieren. Zum Beispiel intensive Preisverhandlungen oder eine permanente Inventur nur für A-Teile durchzuführen oder C-Teile komplett über einen C-Teilelieferanten abzuwickeln und nicht selbst zu beschaffen.


XYZ-Analyse

Die XYZ-Analyse ist auch als RSU-Analyse bekannt. Hier steht das R für regelmäßig, das S für saisonal/trendförmig und das U für unregelmäßig.
Das Kriterium zur Einteilung von Artikeln in die Klassen X, Y oder Z ist die Konstanz des Verbrauchs. X-Artikel haben nach Definition einen nahezu konstanten Verbrauch bei gelegentlichen Schwankungen und somit eine hohe Vorhersagegenauigkeit. Y-Artikel weisen stärkere Schwankungen im Verbrauch auf, die meist trend- oder saisonal bedingt sind. Bei ihnen liegt eine mittlere Vorhersagegenauigkeit vor. Bei Z-Artikeln liegt ein völlig unregelmäßiger Verbrauch und dementsprechend eine niedrige Vorhersagegenauigkeit vor. Rechnerisch erfolgt die Einteilung in die drei Klassen mit Hilfe des Variationskoeffizienten (VK), der für jeden Artikel berechnet wird. Je größer der Variationskoeffizient, desto stärker die Schwankung.

Die Zuordnung erfolgt wie folgt:
X-Teile: VK = 0 bis 25 %
Y-Teile: VK ≥ 25 % bis 50 %
Z-Teile: VK ≥ 50 %

Der Variationskoeffizient ergibt sich aus dem Verhältnis der empirischen Standardabweichung zum Mittelwert des Verbrauchs eines Artikels x 100%. Die empirische Standardabweichung entspricht der positiven Quadratwurzel aus der empirische Varianz. Die empirische Varianz ist die mittlere quadratische Abweichung, bei der der Bezugspunkt dem aritmetischem Mittel entspricht. Weitere Informationen zur Berechnung finden sich hier: https://wikis.hu-berlin.de/mmstat/Varia ... nd_Varianz.

Mit den Ergebnissen aus der XYZ-Analyse lassen sich zum Beispiel systematisch Vorgehensweisen für die Materialdisposition festlegen. X-Artikel können etwa automatisch, Y-Artikel turnusgemäß mit Prüfung und Z-Artikel manuell disponiert werden.

Anwendungsgebiet der ABC/XYZ-Analyse

Bei der ABC/XYZ-Analyse ergeben sich insgesamt neun Materialklassen, die zum Beispiel eine systematische Differenzierung bei der Bevorratungsstrategie und Materialbereitstellung erlauben. CZ-Artikel könnten etwa zu 50% mit einer Kanban-Steuerung durch einen C-Teilelieferanten geliefert und zu 50% im eigenen Lager bevorratet sein. AX-Artikel bieten sich für eine Just-in-Time - Logistik an.
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